In den Geisteswissenschaften ist das gedruckte Buch weiterhin ein zentrales Medium für die Forschung – Open Access ist dabei immer noch nicht die Regel. Vielmehr konzentriert sich die Open-Access-Diskussion oft auf Artikel. Meine Dissertation habe ich als Buch ausgearbeitet und sowohl gedruckt als auch Open Access veröffentlicht.
Verschiedene fürs Fach relevante Verlage haben entsprechende Angebote. AVM ist ein Verlag aus München, der insbesondere in der Romanistik im deutschsprachigen Raum bekannt und breit aufgestellt ist. Unter anderem erscheinen dort die Jenaer Beiträge zur Romanistik und die Beihefte der Romanischen Studien. Bereits 2015 zeigte sich der Verlag sehr OA-freundlich und war dafür offen, diesen Sammelband (https://doi.org/10.23780/9783960910572) nicht nur als Printversion, sondern parallel auch als seine erste Open-Access-Publikation zu veröffentlichen, und richtete seine verlagseigene Open-Access-Plattform ein.
Durch dieses Publikationsmodell gelangt das Buch nicht nur in den Buchhandel, in Universitätsbibliotheken und auf den Büchertisch des Verlags bei Fachkonferenzen, sondern ist für alle Interessierten über verschiedene Wege wie Bibliothekskataloge, OA-Suchmaschinen, Google und weitere Dienste direkt online zugänglich. Im Hintergrund arbeiten spezifische Datendrehscheiben, an die die OA-Plattform des Verlags angebunden ist. So wird die Veröffentlichung an das DOAB (Directory of Open Access Books), OAPEN, Crossref, und Google Books gemeldet, ganz abgesehen von der Vergabe einer ISBN und der Meldung ans VLB (Verzeichnis lieferbarer Bücher). Auch die Deutsche Nationalbibliothek archiviert neben der gedruckten Ausgabe auch die digitale Version zugunsten der Langzeitverfügbarkeit der Veröffentlichung. In mein ORCID-Profil wurde die Publikation automatisch über den vergebenen DOI gelangt – nachdem ich der DOI-Vergabeagentur CrossRef den Status als trusted party gegeben habe.
Zur weiteren Erhöhung der Sichtbarkeit habe ich das Buch zweitveröffentlicht und im Repositorienangebot des FID (Fachinformationsdienst) Romanistik bereitgestellt. Der FID ist in der romanistischen Fachcommunity gut verankert, sodass über diese Plattform zusätzliche Sichtbarkeit entsteht. Er betreibt auch ein eigenes romanistisches Suchportal, in dem die Repo-Veröffentlichungen verzeichnet werden. Die Plattform ist darüber hinaus auf eine Metadatenweitergabe ausgelegt und mit relevanten Aggregatoren und anderen Datendrehscheiben verbunden. Das ist einer der Wege, auf denen Publikationen in Bibliothekskatalogen landen.
Die mit AVM vereinbarte Creative Commons (CC)-Lizenz regelt rechtlich einwandfrei, dass die Publikation auch auf anderen Plattformen als derjenigen des Verlags veröffentlicht werden darf.
Die Abbildung wurde übrigens mit Sora erstellt – jenem ChatGPT verwandten Tool von OpenAI, das eine Zeitlang für die Erzeugung von Abbildung zur Verfügung stand. Deshalb steht im Buchinneren folgender Hinweis:
Umschlagabbildung: Erstellt unter Verwendung eines KI-Generators
Und worum geht es im Buch? Das Abstract von Die frühen poetologischen Vorträge von Federico Garcia Lorca als avantgardistische Lektüre der Tradition lautet wie folgt:
Federico García Lora (1898–1936) ist berühmt für seine Gedichte und Theaterstücke, in denen traditionelle und avantgardistische Merkmale vorliegen. Er führt sie – wie weite Teile der Forschung annehmen – als einzigartige, harmonische Mélange zusammen. Die vorliegende Arbeit kommt anhand der frühen poetologischen Vorträge des Dichters zu einer anderen Einordnung:
Lorcas Perspektive auf tradierte Themen und Gegenstände ist maßgeblich von avantgardistischen Diskursen geprägt, sodass er sie im Sinne zeitgenössischer Ästhetiken umdeutet und funktionalisiert. So identifiziert er in der spanischen Kulturgeschichte Präfigurationen avantgardistischer Kunst, die in hegemonialen Traditionsdiskursen marginalisiert und unsichtbar sind.
Mit diesem Fokus liefert Lorca Fragmente einer alternativen Literatur- und Kulturgeschichtsschreibungen, in der Spanien kein Land der Modernisierungsverspätung ist und dessen Identität durch den Verlust der überseeischen Kolonien 1898 gebrochen ist. Vielmehr scheint ein Land auf, in dessen kulturellem Zentrum Andalusien liegt und dessen Literatur, Kunst und Architektur seit vielen Jahrhunderten avantgardistisch ist.
Das Inhaltsverzeichnis lautet gekürzt wie folgt:
1. Einleitung: Lektüre, ästhetische Theorie und der Wille zum Neuen 9
2. Der cante jondo als Antipode des bürgerlichen Flamencos: Importancia histórica y artística del primitivo canto andaluz llamado «cante jondo» (1922) 29
3. Góngora als „padre de la lírica moderna“: La imagen poética de don Luis de Góngora (1926–1930) 109
4. Ästhetik der kleinen Dinge: Paraíso cerrado para muchos, jardines abiertos para pocos. Un poeta gongorino del siglo XVII (1926) 175
5. Surrealismusanaloge Ästhetik mit San Juan de la Cruz und Lorcas Romancero gitano als Exempel: Imaginación, inspiración, evasión (1928) 231
6. Schluss: Lorcas avantgardistische Lektüre der Tradition
als Bruch mit etablierten Literatur- und Kulturgeschichts-
schreibungen 301
Zur OA-Publikation bei AVM: https://doi.org/10.23780/9783960916635
Zur Zweitveröffentlichung (FID Romanistik): https://doi.org/10.15460/repohh/sub.2026200040
Zum Inhaltsverzeichnis: https://www.avm-verlag.de/res/user/avm/media/9783954772056_v.pdf
Mehr über Open Access in der Romanistik: https://open-access.network/informieren/open-access-in-fachdisziplinen/romanistik
Zur Printversion: https://www.avm-verlag.de/detailview?no=E96091663
